Der Kernnutzen von Facebooks Paper

Wenn Sie sich fragen sollten, wozu Paper gut ist, wo es doch Facebook schon ganz passabel in mobiler Form gibt:

Facebook Paper verbindet den Newsfeed mit anderen Informationsquellen. 

Mit anderen Worten – wenn wir Paper nutzen, bekommen wir nicht nur ständig mit, was sich in unserem persönlichen Netzwerk tut, wir haben auch einen ständig aktuellen Blick auf den Teil der Welt der uns interessiert.

Zu Papiers Nutzung

  • Das Wort Usability muss man da nicht buchstabieren. Die App nimmt einen auf simpelste Weise an die Hand und zeigt wie sie funktioniert. Einfacher geht es kaum.
  • Die Optik ist auf dem iphone sehr ansprechend.
  • Der Anspruch Magazin zu sein, ist nicht zu hoch gehängt. Das Blättern durch dieses Magazin macht wirklich Spass.

Die Anbindung von Paper und Facebooks Website ist, wie nicht anders zu erwarten, nahtlos. Die Vermutung, das Paper die bisherige mobile Nutzung ersetzen kann – sehen wir mal vom Messenger ab – ist sicher nicht zu kühn.

Wer Paper nutzt, wird aufgefordert neben seinem fest installierten Newsfeed aus Facebook entsprechend einer Auswahl an Interessen entsprechende Medien auszusuchen und in das eigene mobile Magazin – das Paper sein soll – zu integrieren.

Facebook Paper als medialer Gatekeeper

Die Verbindung von persönlichem Newsfeed und medialem redaktionellen Content ist nicht neu, aber wirkungsvoll. Mobil erhält sie eine zusätzliche Qualität.

Gehen wir davon aus, das sich Paper bei den Facebook Nutzern als primäre mobile Nutzungsform durchsetzt, wird Facebook zum medialen Gatekeeper. Und das in einer Dimension, die mehr als nur beachtlich sein dürfte.

  • 2013 waren mehr als die Hälfte der deutschen Internetnutzer bei Facebook aktiv. Das entspricht ca 27 Millionen User.
  • die mobile Nutzung von Facebook wird auch in Deutschland bald die Hälfte der Nutzung ausmachen.  Das wären dann mehr als 13 Millionen User.

Ein neuer Gatekeeper über eine derart hohe Anzahl potenzieller Mediennutzer verändert die Marktsituation.

Facebooks Paper und die Nachrichten- / Medienbranche

Wie viele Nachrichten braucht der Mensch, und wie viele davon doppelt? Letztlich führt Paper zu einer weiteren Intensivierung des Wettbewerbs in dieser Branche.

  • Warum sollte ein User noch die Spiegelapp separat aufrufen, um deren Informationen zu erhalten? Nur, wenn ihm explizit die Inhalte in der Spiegel App so wichtig sind, das sie nicht durch andere mediale Inhalte ersetzt werden kann.
  • Die Nachricht oder besser das Ereignis rückt in den Hintergrund, die Beurteilung und die Aufbereitung und Aufarbeitung wird wichtiger.

Facebooks Paper ist damit nicht nur eine gute Nachricht für Medienhäuser, die auf Apps als Ertragsquelle der Zukunft setzen.

  • Paper wird ihnen eine breitere Nutzergruppe zur Verfügung stellen können, als dies den meisten Medienhäusern selbst möglich wäre, aber Facebook wird auch die Spielregeln für die Nutzung dieser Reichweite definieren.
  • Der User erhält in Paper eine vorgegebenen Auswahl an Quellen zu den von ihm ausgewählten Themen. Wer als Medienunternehmen dabei ist, liegt bei Facebook. Die Konditionen, unter denen Medienunternehmen ihre Inhalte über Paper verbreiten können, werden sicher interessant, ebenso die Geschäftsmodelle dazu.

Die Integration redaktioneller Inhalte von Medienunternehmen in Paper

  • Lese ich einen Hinweise auf einen Artikel in meinem Facebook Anteil meines Paper-Magazins, werde ich nach dem ersten Einführungstext auf die Seite des Medienunternehmens weitergeführt wenn ich mehr lesen möchte.
  • Lese ich im redaktionellen Bereich – z. B. bei Headlines einen Teaser, leitet mich Pages ebenfalls auf die Seite des Medienhauses, wenn ich mehr lesen will. Die Methode ist also durchgängig die gleiche.

Interessant wird,

  • ob und in welchem Umfang Facebook von dieser Weiterleitung / Lieferung eines Lesers profitieren will.
  • Medienunternehmen sich einer (kostenpflichtigen) Integration in Paper verweigern werden.

Facebook steht hier wieder vor der klassischen Entscheidung

  • sofort an einem Markt und seinen Leistungen profitieren zu wollen.
  • oder den Markt erst einmal so weit als möglich für sich zu entschliessen und eine unverzichtbare Reichweite auch als Medienlieferant aufzubauen.

Ich denke, Facebook wird hier lächelnd Tür und Tor öffnen um sich strukturell so weit als möglich zwischen Medienunternehmen und Nutzer zu etablieren.

Dies würde bedeuten die Integration in Paper den Medienhäusern erst einmal kostenlos zu ermöglichen. Damit die User aber Paper so intensiv wie möglich nutzen, muss die Integration medialer Inhalte in Paper für die User ebenfalls kostenfrei sein.

Ausblick

Paper hat das Potenzial Facebook als Gatekeeper für mediale Inhalte zu etablieren. Das dies Auswirkungen auf die Geschäftsmodelle und die Optionen der Medienunternehmen haben wird, ist zu erwarten. Die Uhr tickt. Die Einführung in den USA wird einen ersten Einblick geben, wie schnell und wie umfassend sich die Medienunternehmen hierzulande auf diese Situation einstellen müssen.

 

 

 

 

 

 

 

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One Response to Facebooks Paper – ein erster Blick auf App und mögliche Konsequenzen

  1. […] Inhalte eine größere Rolle spielen als in der normalen Facebook-Timeline – mit eventuell weitreichenden Konsequenzen für die Weiterentwicklung beider Plattformen. Weltweit Furore gemacht hat der Kauf des […]