Social Media und Polizei – die Vorteile sozialer Kommunikation zwischen Bürger und Polizei

Nach einigen Vorträgen zu diesem Thema hier ein Artikel über die Vorteile sozialer Kommunikation zwischen Bürger und Polizei in diesem Blog.

Das Thema Soziale Medien ist in Polizeikreisen zunehmend eines und führte bereits zu einigen interessanten Beispielen in denen die Polizei für ihre tägliche Arbeit auf soziale Medien zurückgreift. Erwähnenswert sind hier als Beispiele

Die Kommunikationssituation zwischen Bürger und Polizei ist belastet

Betrachtet man die Situationen, in denen man als Bürger Kontakt mit der Polizei hat, sind das in aller Regel eher weniger angenehme Situationen. Das wirkt sich über die Zeit auch genau so aus. Man bekommt ein ungutes Gefühl, wenn man die Freunde und Helfer in Uniform sieht, auch wenn es dafür keinen sachlichen Grund gibt. Im Alltag wird der Überbringer schlechter Nachrichten auch nicht mit Blumen beworfen, könnte man jetzt sagen. Und genau das Problem hat die Polizei. Über Jahre und Jahrzehnte hat sich ihre Kommunikationssituation immer mehr auf die Rolle des Überbringers schlechter Nachrichten reduziert. Dabei ist die Polizei in ihrer täglichen Arbeit auf die Unterstützung der Bürger angewiesen.

Ein Päckchen Nostalgie

In der alles andere als guten alten Zeit war der Kontakt zwischen Polizeibeamten und „seinen“ Bürgern dichter. Die Verstädterung mit ihrer Anonymisierung, die reduzierten persönlichen Kontaktmöglichkeiten wenn die Polizei im Streifenwagen unterwegs ist, die geringere soziale Verwurzelung von Polizisten in ihrem Revier und sicher noch einige andere Ursachen reduzieren die Kommunikation auf das notwendigste – und das ist dann seltener erfreulich. Ein Weg zurück zum Schupo, der in seinen Straßen aufgewachsen ist und zu Fuß Streife gehen kann, ist natürlich illusorisch.

Moderne Kommunikation via Social Media

Das Social Media für die Polizeiarbeit interessant ist, dafür sprechen die ersten Aktivitäten der Polizei. In diesem frühen Stadium, in der sich die Social Media Nutzung durch die Polizei noch befindet, ist die Nutzung als „weiteren Kommunikationskanal“ nichts überraschendes. Bislang sind wir in Deutschland eher dabei die Nutzung von Social Media in der Polizei spezialisierten Mitarbeitern zu übertragen. Das dürfte sich ändern, etabliert sich auch bei uns die Nutzung, die sich in den USA abzeichnet. Dort wird Social Media von den lokalen Polizeikräften in voller Breite genutzt. Jeder Police Officer, der in seiner Aufgabe mit Menschen kommuniziert, nutzt diesen Weg so selbstverständlich wie die gesprochene Sprache oder das Telefon. Letzteres wird ja auch nicht nur von dafür spezialisierten Mitarbeitern eingesetzt, ;-).

Eine schnelle Information der Bürger wie die frühzeitige Information der Polizei sind durch Social Media für beide Seiten leichter zu realisieren. Die klassischen Informationswege über gedrucktes Papier hängen zu schnell hinter der Dynamik von Entwicklungen her. Es macht mehr Sinn kommunikativ und gestaltend in aktuelles Geschehen eingreifen zu können, als Probleme im Nachhinein kommunikativ aufarbeiten zu müssen. So wie die Nutzung mobiler Kommunikation eine Selbstverständlichkeit ist, wird auch die Nutzung der Möglichkeiten der sozialen Medien durch die Polizei als Selbstverständlichkeit betrachtet werden. Für weite Kreise der Bevölkerung sind die sozialen Medien bereits ein fester und zentraler Bestandteil der eigenen Information und Kommunikation.

Eine direkte Kommunikation, die fest im Informations- und Kommunikationsmix der Bürger etabliert ist, hat eben nicht nur den Vorteil der schnelleren Information.Diese permanente Information bringt den „Servicecharakter“ der Polizei als Sicherheitsdienstleister für die Gesellschaft wieder stärker ins Bewusstsein. Man erlebt die Polizei kommunikativ eben nicht nur in einem persönlich-problematischem Zusammenhang. Ihre Arbeit für die Allgemeinheit wird wieder besser wahrgenommen und die Zusammenarbeit mit ihr als selbstverständlicher, positiver empfunden.

Polizei positiv erlebt

Jenseits der Ersatzhandlung in diversen TV-Serien, kann Social Media dazu beitragen, das Polizei wieder real positiv erlebbar wird. Das ist nicht nur für die Personalbeschaffung ein nicht unerhebliches Argument. Es trägt vor allem dazu bei, die Distanz zwischen Bürger und Polizei zu reduzieren. Wer miteinander kommuniziert ist sich weniger fremd und eher bereit den anderen zu unterstützen. Aus dem Weg der Verlautbarung und der Information wird daher früher oder später eine echte Kommunikation entstehen, auf die man sich so früh als möglich vorbereiten sollte.

Wenn uns Social Media eines gelehrt hat, dann das die Bürger dieses Medium schneller aufgreifen und nutzen, als sich dies Experten vorstellen konnten. Je früher sich die einzelnen Polizeidienststellen darauf einstellen, desto früher werden sie von einer besseren Verankerung in der Bevölkerung, mit der daraus resultierenden schnelleren Kommunikation und besseren Unterstützung profitieren.

Social Media Strategie der Polizei

Von einer Social Media Strategie der Polizei zu sprechen wäre wohl verfrüht. Man beschäftigt sich mit dem Medium, sammelt Erfahrungen und lotet Einsatzmöglichkeiten aus, die dann in eine Social Media Strategie einfliessen können. Das man sich dort zu erst auf Einsatzmöglichkeiten fokussiert, die eher anlassbezogen und auf einzelne Anwendungen ausgerichtet sind, liegt in der Natur dieses Prozesses. Social Media wirkt allerdings effizienter, wenn es auf einer breiten Basis in der Bevölkerung wie einer intensiveren Vernetzung vor Ort aufbaut. Der ganze Nutzen wird sich erst auf dieser Basis entfalten. Vieles kann dadurch auf der Seite der Polizei schneller gehen, aber der Bürger wird auch schnellere Antworten und Reaktionen erwarten. Auch darauf sollte man vorbereitet sein.

 

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