Social Networks verändern die Welt. Das Beispiel der arabischen Revolution und Facebooks Beitrag zur Information und Koordination sind neue Beispiele dafür. Deshalb liegt es auch nahe, Social Media und spezielle Social Networks als Werkzeug für andere, nicht weniger wichtige Ziele zu verwenden.

Die Welthungerhilfe hat mit 123wir.org eine Website mit Community entwickeln lassen, mit deren Hilfe sie über die Projekte der Welthungerhilfe informieren und neue Unterstützer gewinnen will. Die Plattform wurde von der Virtual Identity AG in Freiburg entwickelt. Das Unternehmen unterstützt die Welthungerhilfe auch im Aufbau der Community.

Soziale Ziele für Social Media…..

So naheliegend die Nutzung von Social Media und Social Networks für ein so wichtiges und wertvolles soziales Ziel wie die Bekämpfung des Hungers in der Welt ist, so wünschenswert ist auch der Erfolg dieser Website und Community Plattform. Und dieser Wunsch führt zur Frage, ob es nicht sinnvoll wäre, diese Community nicht „standalone“ zu etablieren, sondern zumindest stärker an bestehende Social Network Plattformen anzubinden.

Betrachtet man den Aufwand und das Engagement, die nötig sind, um Interessenten für eine Community zu erreichen und als Mitglieder zu gewinnen, wäre eine intelligentere Social Media Strategie wünschenswert gewesen. Eine Standalone Community in Zeiten Facebooks und anderer Social Network Plattformen zu etablieren, erfordert Ressourcen die der Welthungerhilfe anderweitig fehlen. Davon abgesehen ist das Erfolgsrisiko alles andere als gering.

Das zugleich darauf verzichtet wurde, die Möglichkeiten der Anbindung an die sozialen Freundeskreise in bestehenden Social Network Plattformen zu nutzen, ist nicht einfach nachvollziehbar. Der Verzicht auf diese Möglichkeiten erschwert den Aufbau einer Community immens. Wenn schon Interessenten für die Welthungerhilfe gewonnen werden können, läge es doch nahe, die Freundeskreise dieser Interessenten über vorhandene Tools zu erschliessen.

….erfordern nicht weniger Social Media Kompetenz

Virtual Identity nennt Social Media als eines der Geschäftsfelder des Unternehmens. Zudem hat das Unternehmen mit knallgrau in Wien eine Agentur die sich auf Social Media spezialisiert hat. Damit sollte Virtual Identity über die nötige Kompetenz für Social Media verfügen. Sowohl der Ansatz als standalone Plattform als auch die Umsetzung lässt vermuten, das man dieses Projekt nicht mit der Aufmerksamkeit behandelt hat, die wünschenswert gewesen wäre.

Wo der Verzicht auf eine Integration in Facebook oder zumindest eine Anbindung an bestehende soziale Netze schon eine schwere Hypothek für den Start einer Community sind, wird ein solches Projekt durch lieblos entwickelte Profile vollends gefährdet. Wenn dazu noch simple Standards wie ein Einladungstool für Freunde fehlt, werden die Chancen für eine wachsende Community noch einmal deutlich reduziert. Fehlt auch noch ein erkennbarer Ansatz zur Unterstützung der Vernetzung von neuen Mitgliedern, wächst nur noch das Fragezeichen hinter der Social Media Kompetenz derjenigen, die dieses Projekt betreut haben.

Das die Website auf der technischen Basis des kostenlosen WordPress umgesetzt wurde, muss kein Nachteil sein. WordPress ist zwar eine simple, doch auch leistungsfähige Plattform für kleine Projekte und Sites. Schade nur, wenn die vorhandene Leistungsfähigkeit dieser Plattform sowohl in Social Media wie in SEO nicht genutzt wird.

Trauriges Fazit

Auch wenn es sich hier vermutlich um ein Projekt ohne Bezahlung handelt, ist  jenseits des Designs eine Lieblosigkeit erkennbar, die das Thema gewiss nicht verdient hat und die dem Unternehmen, das für diese Leistung seinen Namen gab, kaum gerecht wird. Hätte man dieses Projekt engagierten Studenten der Wirtschaftsinformatik übertragen, wäre das Ergebnis sicher besser ausgefallen

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One Response to 123wir.org – Social Network der Welthungerhilfe

  1. Simon sagt:

    Eindeutig ein lobenswertes Engagement, aber solche grundliegenden Fehler lassen sich wohl auch nicht durch gutes Marketing wieder gutmachen!

    Hat vielleicht einer Ideen wie sich dieses Projekt noch retten lassen könnte? Außer natürlich das offensichtliche: das Projekt an Facebook anbinden!

    Grüße
    Simon